Adobe, der überzogene Preis und der neue Melkansatz

Hallo Adobe!

Ihr habt heute bekanntgegeben, dass Mitte Mai eine neue "Zwischenausgabe" der Creative Suite erscheinen wird. Euer — in meinem Erleben — mehr als ärgerliches Upgrademodell wird diesmal immerhin von echtem "Mehrwert" unterfüttert:

So kommt ihr langsam aber sicher voran, den Ausgabekanal "Mobile" umfassender (und hoffentlich auch einfacher bedienbar) in die Applikationen zu übernehmen. Danke.

Das herausragend Neue an der CS5.5 ist aber, dass ihr erstmals ein Mietmodell für die Software anbietet. Infos in deutscher Sprache dazu finden sich nur schwer zugänglich. Doch ich frage mich: Warum macht ihr das?

Eure Motivation dafür, einen gefühlt "günstigeren" Einstieg in den Markt anzubieten, dürfte dem (richtigen!) Gefühl entwachsen, dass eure Produkte zu teuer sind.

Ihr könntet also versuchen, sie günstiger zu verkaufen und dadurch die Nutzerbasis zu verbreitern. Ihr könntet auch versuchen, "professionelle" Module von entsprechenden Anwendern später "zubuchen" zu lassen und darüber einen günstigen Einstiegspreis zu ermöglichen. Das wäre aber wohl nicht der korrekte Adobe-Style.

Also lasst ihr die Software lieber nahezu unbezahlbar teuer für einen ambitionierten Berufsanfänger im grafischen Umfeld und bietet ihm neuerdings lieber an, die Software erst einmal zu mieten. Dabei gelten auch wieder dermaßen viele unangenehme Einschränkungen (wie beispielsweise ein mögliches "Ablaufen" des Abonnements), dass ich mich auf die ersten Nutzerzahlen freue. 

Noch weist ihr dafür keine "deutschen" Preise aus. Vielleicht bessert ihr ja noch nach — bevor es zu spät ist. 

So lade ich also weiterhin Gigabyte-Häppchen von Photoshop, InDesign und Schlagmichtot CS5.5 herunter, abonniere, kreditiere, aktiviere und lasse mich weiter von euch als Anwender gängeln und vorführen. 

Hybris?

Hier mal eine klare Ansage, was ich mir als langjähriger Anwender eurer Software wünsche:

  1. Macht eure Software günstiger. Wenn nicht: liefert mir Handbücher, die mich vor Glück weinen lassen. Bücher! Zum neben-den-Rechner-legen. Mehrwert! Anleitung, eure Software besser zu nutzen. 
  2. Macht sie modular. 1 GB pro Applikation? Hallo?
  3. Bringt das Bedienkonzept von 1985 in dieses Jahrtausend. Was wird aus dem mit "Project Rome" entwickelten Bedienansatz? CS6.5? Und dann erst beim Anwender Ausentwickeln? Das wird schiefgehen; nur mal so als Tipp.
  4. Wenn ihr wollt, dass ich die CS miete: sorgt dafür, dass ich sie rechnerunabhängig nutzen kann. Online und offline. In vollem Umfang. Nutzen würde ich beides. 
  5. Spart euch die "Aktivierung". Klingelt mal bei der Musikindustrie durch. Die haben es irgendwann begriffen. 
  6. Kauft nicht wahllos alle Konkurrenz auf und lasst sie dann eingehen (Freehand). Das ist schlechter Kapitalismus-Style wie man ihn in Europa nicht liebt
  7. Macht Updates und Upgrades so viele ihr wollte. Aber schafft erstmal ein Dateiformat, das sicherstellt, dass ich nicht jedes Upgrade mitmachen muss.

In den letzten 20 Jahren habe ich (wobei ich aus Selbstschutz die echte Summenerstellung scheue) um die 4.000 Euro aus meiner Tasche in eure gepumpt. Der Betrag ist nur so "niedrig", weil ich Student und Dozent war; sonst wäre ich mangels Zahlungswillen schon längst ausgestiegen. Und ich war dafür verantwortlich, dass ihr im gleichen Zeitraum durch meine Fürsprache einen deutlich 6-stelligen Umsatz gemacht habt. 

Es wäre also schön, wenn ich nicht nur gemolken würde, sondern wenn ihr mir über eine offene Fortentwicklung von Bedien- und Nutzungskonzepten zeigen würdet, dass ich euch wichtig bin. Momentan ärgere ich mich nur bei jedem Update, dass schon wieder bündelweise die 100er fließen sollten. Ihr müsst lernen, mich besser für diese Ausgabe zu motivieren statt zu versuchen, mich über monatliche Beitragszahlungen um noch größere Beträge zu erleichtern. 

Sonst könnte es passieren, dass ich da einfach irgendwann keinen Bock mehr drauf habe. SaaS können viele Häuser bieten. Mit lustigen Features. Also: aufpassen, Adobe. Nicht den Bogen überspannen. Quark hat auch mal geglaubt, dass der eigene Horizont endlos ist … remember?

So. Dann schauen wir mal, wann ich das erste Mal fluchen darf, dass ich schon wieder eine InDesign-Datei in die Finger kriege, die ich nicht öffnen kann. 

Dankeschön für das Aufnehmen meiner Wünsche und Gedanken. 

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4 Antworten auf „Adobe, der überzogene Preis und der neue Melkansatz“

  1. Adobe ist unverschämt und macht keinen Hehl daraus. Es ist einfach eine dreiste Abzocke mit einem Lächeln im Gesicht.
    Wir in Deutschland dürfen die halbe Welt finanzieren, daher haben wir (mehrere Agenturen und Reprofirmen) als Interessenskreis beschlossen, Adobe einfach KEIN Geld mehr zu geben. Dies fing schon bei der mangelnden Anpassung von CS3 auf SnowLeopard an. Stattdessen wollte man die Käufer mit der neuen Version CS4 abzocken.
    Das Apple Flash verbannt hat ist zwar momentan problematisch, aber absolut gerechtfertigt, da die Produkte von Adobe alles andere als fertig sind. Jeder Patch wird für teuer Geld als neue Version verkauft. Und die Preise werden nicht dem Wechselkurs angepasst.
    Da hilft nur die Antwort die jede Firma versteht: Nicht kaufen, Alternativen verwenden so oft es geht! Je mehr dies so tun, desto schneller werden die Damen und Herren in Selbstmitleid verfallen und die Preise der Realität anpassen.
    Also! Verweigern statt erpressen lassen.

  2. Schön gesagt. Und Adobe macht mit dem neuen CS6 Abzockmodell allen Vorwürfen alle Ehre. Wie ich heute schon sagte: Adobe, Ihr könnt mich mal. Ich kaufe nichts mehr von Eurer CS Melkwiese.

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