Schlechtes Beispiel (1)

Wochenende. Eine Mail von einem Ex-Kollegen. Grundtenor: Da versucht einer, den Kopf hoch zu halten. Sehr lobenswert. Aber was ist geschehen?

Nun, der Kollege hat über ein Jahr hinweg mit großem Fleiß – und fast ausschließlich in seiner Freizeit – eine höchst aufwändige Zertifizierung erlangt. Eigentlich eine feine Sache. Aber die Geschichte begann schon vor dem Start zu stinken …

Damit der Kollege diese Fortbildung machen konnte, benötigte er eine Bestätigung des Arbeitgebers, dass er zu den Prüfungsterminen freigestellt wird. Das hat das Unternehmen nur unter der klassischen Bedingung zugesagt, dass er dann bitte die nächsten 35 Jahre nicht kündigen darf. 

Aussagen darüber, welche rückwärtsgerichtete, devote und unanständige Geisteshaltung bereits hinter dieser "Abmachung" steht, spare ich mir. 

Im Anschluss wurde vereinbart, dass man nach erfolgreicher Erlangung der Zertifizierung über das Gehalt sprechen würde. Immerhin. 

Während des vergangenen Jahres hat der Kollege sein im Rahmen der Zertifizierung neu erworbenes Wissen bereits an vielen Stellen im Unternehmen sinnvoll einsetzen können. Es geht da um Netzwerke, automatisierte Updates … viele Dinge, die ein Unternehmen zuverlässiger und sicherer im Betrieb machen. Schöne Dinge. 

Jetzt hat der Kollege die Zertifizierung mit großem Erfolg abgeschlossen … freute sich natürlich auch auf das Gespräch über sein Gehalt … und wurde abgebügelt. Es sei kein Geld da. 

Lehnen wir uns nochmal kurz zurück und fragen uns: Wäre es nicht schön, Mitarbeiter zu haben, die ihr Wissen weiterentwickeln? Wäre es nicht angenehm, das eigene Unternehmen in motivierten Händen zu wissen? Wäre es nicht ein gutes Gefühl, wenn die Mitarbeiter über den eigenen Tellerrand schauen würden?

Nein, so macht man das nicht. Es sei denn, man erträgt keine gut gelaunten und motivierten Mitarbeiter. Unglaublich.

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