Der Zweck heidelt die Berge?

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Wie die Heidelberger Druckmaschinen AG mit Volldampf auf das Ende der bekannten Welt zuhält

Zwei Pressemeldungen mit Datum vom 9. Juni 2011 haben mich zu diesem Beitrag verleitet.

Meldung Nummer 1 hat mich erstmals seit etwas längerer Zeit wieder auf die Website von Heidelberg geführt: „Bevorstehende Veränderungen im Aufsichtsrat von Heidelberger Druckmaschinen.“ Daran angefügt ein bit.ly-Link (wir wollen alle unseren Erfolg messen … Authentizität geht in diesem Umfeld allerdings anders) zur entsprechenden PM auf der Heidelberg-Seite.

Dort war und ist dann zu lesen, dass bald mehrere sehr alte Männer im Aufsichtsrat des Unternehmens gegen ein paar nicht ganz so alte Männer ausgetauscht werden. Und mein erster Gedanke war: „Nä!“

Auf der Heidelberg-Seite selbst habe ich anschließend erst die zweite Pressemeldung wahrgenommen: „Die Heidelberg Website in neuem Gewand“. Nach einem ersten Anflug der Belustigung, der mir allerdings direkt im Halse stecken blieb, schaute ich mir das etwas genauer an.

Und dann war klar, dass ich das kommentieren muss. Denn hier geht Einiges schief:

Zum einen verpasst das Steuerungsorgan des gebeutelten Druckriesen mit fliegenden Fahnen die Chance, sich auf die radikal veränderten Marktbedingungen mit Verve einzustellen – was man schön nach außen demonstrieren könnte, indem man eine deutlich verjüngte Riege veränderungserfahrener Menschen mit belegtem digitalen Hintergrund in die Brandung wirft, um das Dickschiff zu retten.

Quasi als unmittelbaren Beweis der eigenen Unfähigkeit zur Veränderung launcht man dann eine Website, die nur in vollkommen unbedeutenden Details verändert wurde, sodass ich es selbst als langjähriger Besucher der Seite nicht einmal wahrgenommen habe, dass dort etwas verändert wurde – und verkauft das als großen Wurf.

Hallo?

Liebe Heidelberger, ich habe euch über viele Jahre hinweg beobachtet und häufig den Eindruck gewonnen, dass ihr im technischen Kern eher zu innovativ für eure Hauptkundenkreise seid und stringent-liebevoll daran arbeitet, diese Kunden einzufangen und ihnen die Aufgabe abzunehmen, sich allzu intensiv mit sich verändernden Marktbedingungen auseinandersetzen zu müssen – indem ihr sehr feine Lösungen bietet, welche die zahlenden Kunden eurer Kunden einfangen. Und damit den Lebensunterhalt der Druckereien sichert. Ich habe unterstellt, dass ihr das wissentlich tut. Ich habe dieses Vorgehen für äußerst schlau gehalten.

Dann kam die große Krise. Euer Aktienkurs brach unter drei Euro ein. Was ich respektlos und unwürdig fand. Dann rappelte sich der Kurs langsam; aber im gleichen Umfang wuchs meine reservierte Haltung – denn ich konnte nicht erkennen, dass ihr eine neue Strategie entwickelt habt.

Und jetzt konsterniert ihr mich mit einem abermals viel zu alten Aufsichtsrat. Falsches Signal zur falschen Zeit! Mein gutes, warmes Bauchgefühl, wenn ich „Heidelberg“ höre, ist weg.

Das solltet ihr wissen.

P.S.: Ihr nennt euren Twitteraccount „Heideldruck“. Damit kann ich etwas anfangen, weil mein Opa vor 30 Jahren im Radio stundenlang das Herunterbeten von Aktienkursen angehört hat. Doch Jene, die Twitter nutzen – prinzipiell eine Zielgruppe, die ihr aber allerübergenauestens im Auge haben solltet – suchen euch unter „Heidelberg“. Wenn es diesen Account nicht mehr gibt, werdet kreativ. Und stellt nicht in diesem Umfeld den Aktienkurs heraus. Alles klar?

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