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Seit zehn Jahren gibt es nun printpraxis.net – und so es ist an der Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen und sich Gedanken zu machen, ob es printpraxis.net in der bisherigen Form weiter geben soll.

Kleiner Spoiler: eher nicht.


Was bisher geschah

Ich habe diesen Blog ins Leben gerufen, weil ich den Eindruck hatte, dass es in der Printbranche zuviel Silowissen bei großen Anbietern und zuwenig Interaktion bzw. Interaktionsmöglichkeit zwischen Anwendern gibt.

Eines meiner Ziele war es, möglichst viel Wissen um das Drucken und die Druckvorstufe von den großen Playern zu lösen, also die Wissensbasis meiner Branchenkollegen zu verbreitern und den Austausch untereinander anzuregen – immer mit dem Ziel, Print besser „verständlich“ zu machen und dafür zu sorgen, dass alle Berufe, die sich mit unserem Feld befassen, es als interessantes und zukunftsfähiges Tätigkeitsfeld zu begreifen.

Idealerweise in einer Form, die geeignet ist, die Branche auch für die Generierung von Nachwuchs attraktiv zu machen. Also schuf ich PrintPraxis.NET.


Bilanz

Nachdem ich im Laufe der Jahre viel Zeit, Herzblut und (nicht zuletzt) auch Geld investiert habe, stehe ich nun an einem Punkt, an dem ich überdenken muss, wie es weitergeht.

Über printpraxis.net habe ich eine Handvoll sehr interessanter Menschen kennenlernen dürfen. Mit den meisten davon bin ich, mehr oder weniger sporadisch, durchgehend in Kontakt. Doch frische, branchennahe Kontakte sind immer spärlicher geworden.

Die Medienbranche im Ganzen wendet sich zudem von der klassischen Printproduktion ab; außer ein bisschen Vierfarbgeballer beim Onlinedrucker passiert nicht mehr viel. Verpackung ist zwar schön und anspruchsvoll – interessiert mich aber nicht wirklich. Mein Steckenpferd waren schon immer „unmögliche“ Drucksachen – Prägungen, Bedruckstoffe, Pigmente, Popups, Bindungen, Verkürzungen, Klapper, Veredelungen und Stanzen.

Heute befasse ich mich selbst, spätestens seit HTML5 offizieller Standard wurde, auch eher mit den Entwicklungen bei CSS als mich kontinuierlich darüber zu ärgern, dass die Systemanbieter in der Printbranche weiterhin krampfhaft daran arbeiten, irgendwelche überteuerten HTML-zu-PDF-Konversionsmaschinen zu bauen, anstatt endlich eine Möglichkeit zu schaffen, HTML direkt auf Drucktücher zu bekommen und damit innerhalb von Sekunden nunmehr zwei Generationen von Webentwicklern und Informationsanbietern im Netz für Print zu aktivieren.


Ich konstatiere:

Die großen Anbieter haben gewonnen. Sie haben ihre Silos so gut zu schützen gewusst, dass Print für nachwachsende Generationen einerseits unglaublich langweilig und zugleich technisch überkomplex geworden ist. Glückwunsch.

Doch auch die Anwender, wir Anwender, haben unseren Beitrag geleistet. Wir haben zuwenig zusammengearbeitet, wir haben uns gegenüber den Anbietern nicht durchgesetzt, wir haben unseren Kundenkontakt und unsere Erfahrungen nicht genutzt. Wir haben resigniert. Also haben wir auch keine attraktiven Tools mehr bekommen. Unsere Duldungsstarre und ein weit verbreiteter Unwille, zu lernen und aktiv Wissen zu teilen, ist ein gleichwertiger Faktor, warum Print immer irrelevanter geworden ist.


So long; and thanks for all the fish.

Für mich „rechnet“ sich der Aufwand für Unterhalt und Befüllung des Blogs nicht mehr. Da mich jeder Aufruf der täglich dutzendweise frequentierten Tutorials Geld kostet, ziehe ich nun den Stecker dieser Seite, die ich, sehr bewusst, immer werbefrei gehalten habe.

Ich danke allen treuen Lesern und insbesondere jenen, die sich aktiv eingebracht und den Austausch gesucht haben.


Jason Harder