Kennen Sie auch dieses Gefühl? Es stellt sich, seit einigen Jahren, jeden Herbst wieder bei mir ein. Ich habe es, ziemlich konkret, seit 2010. Damals kristallisierte sich heraus, dass Apple künftig jedes Jahr ein Versionsupdate von macOS ausliefern will; kostenfrei. Juchee.

Der „AppStore“ wanderte ins Desktop-Betriebssystem – und mit ihm ein eher spielerischer Ansatz im Umgang mit Software; aus Anwendersicht. Seither habe ich, jedes Jahr aufs Neue, ein sehr mulmiges Gefühl.

Zuvor kamen Versionsupdates eigentlich nur heraus, wenn Hardware- und/oder Software-Entwicklungen so weit fortgeschritten waren, dass ein umfassendes Upgrade auch aus meiner User-Perspektive angeraten schien. Mutmaßlich wurde damals ein Jahr entwickelt und dann ein halbes Jahr getestet. Die ausgerollten Versionen des Betriebssystems waren stabile Weiterentwicklungen der Vorgänger. Klar; es gab Bugs. Meist von übersichtlicher Relevanz und zügig behoben. Natürlich waren die Zusammenhänge simpler; keine SmartPhones, geschulte Entwickler, langsamere Uhren.

Seither stolpert Apple Jahr für Jahr mehr über seine eigenen Füße; das Betriebssystem bekommt immer mehr Aufgaben und setzt, begleitend, immer mehr Duldungsstarre auf Nutzerseite voraus; ständige Internetverbindung, die zwanghafte Bereitschaft, Informationen in die Cloud auszulagern, entmündigende Sicherheitsvorgaben, den Anwender ausschließende Kapselung von Content, der kaum mehr aus den Tiefen des Systems zu extrahieren ist. Falls Sie mir Letzteres nicht glauben: Versuchen Sie mal ein auf dem iPhone geschossenes Foto mit all seinen Metadaten außerhalb der Apple-Welt nutzbar zu machen. Spoiler: Wenn Sie es nicht per Airdrop vom Telefon auf einen Drittrechner übertragen, fliegt immer irgendwas weg; Erstellungsdatum, GPS-Position …

Wie lange noch?

Mit jeder Iteration von macOS verstärkt sich mein Gefühl, dass das mit uns nicht mehr lange gut geht; mit macOS und mir.

Aber was sind die Alternativen?

Windows, das muss ich ehrlicherweise zugeben, funktioniert sehr gut. Ich betreibe es in einer Reihe von unterschiedlichen Konstellationen; in VMWare Fusion, auf alter Intel-Hardware, auf selbstgebauter aktueller Intel-Hardware als Medienmaschine, als RIP-Rechner, als Office-Sklaven. Es funktioniert störungsfrei und ich habe noch kein Hardwaremodul gefunden, das sich zu einem Showstopper entwickelt hat. Der Treibersupport ist sehr gut, manuelle Eingriffe selten notwendig. Wenn doch, dann findet sich online viel Information; das meiste ist zwar Schrott – aber irgendwann findet man den hilfreichen Hinweis. Und, das mag aus Mac-Sicht besonders interessant sein, die Adobe CreativeCloud funktioniert auf alter wie neuer Hardware problemlos; Win10 puffert offenbar die Probleme weg, die sich auf dem Mac aus dem Delta aus Betriebssystemunterstützung und Hardwarealter ergeben. Wo der Mac nach fünf Jahren nicht mehr nutzbar wird – egal, ob er technisch in Ordnung ist oder nicht – kann der Windows-Rechner weiter genutzt werden.

Gegen Windows spricht das Übliche: Mit jedem „Funktionsupdate“ ballert Microsoft immer mehr verborgene Online-Kommunikation ins System. Immer und immer wieder muss man den ganzen Mist ab- und wegdrehen. Und auch hier geht ohne Online-Duldungsstarre eigentlich nichts mehr. Grauenhaft.

Was mich als Print-Mann auch noch stört, ist die merkwürdige und weitgehend undokumentierte Art, wie Farbmanagement auf Systemebene betrieben wird.

Es bleibt: Linux

Hier kommt mein Problem von der anderen Seite: Ich tue mir nach wie vor schwer damit, dass ein sicheres Beherrschen des Systems immer wieder auf die Kommandozeile führt. Wenn etwas schiefgeht, wenn die Distribution oder das GUI klemmt, Fehler zu erkennen und lösen sind: ohne Terminal geht meiner Erfahrung nach nicht viel. Ohne Verständnis des Zugriffs- und Ablagemodells hinter Linux ist es nicht sinnvoll, in diese Welt einzusteigen.

Andererseits habe ich mittlerweile mit Ubuntu, Suse, Debian und CentOS gearbeitet. Das Basteln eines Hackintosh hat zu diversen erhellenden Momenten geführt, was den Bootvorgang und das Filesystem eines modernen Rechners angeht. Gefühlt wäre nach wenigen Wochen der Kopfschmerzen und Übelkeit der Wechsel in die relative Stabilität der Linux-Welt zu schaffen.

Programme wie Scribus, Inkscape, Gimp, RawTherapee, darktable und natürlich LibreOffice tun, was sie sollen. Alleine, die Furcht vor der vielfachen Einarbeitung …

Bleibt nur ein Problem:

Wenn ich Daten mit Kunden austauschen muss, bin ich ein Problem. Denn meine Kunden werden weiter mit Office/CC arbeiten.

Kritisch ist auch das farbgemanagete Handling von CMYK-Daten hin zu einer Druck-PDF. Sämtliche Ausgabeworkflows basieren heute auf der Adobe PDF Print Engine. Was die nicht fressen mag, ist folglich problematisch. Print-Layouts aus der OpenSource-Welt müssten erkennbar einfacher strukturiert sein als das, was mehr oder weniger verstrahlte „Kreative“ üblicherweise in InDesign zusammenkloppen.

Und dann gibt es noch die Aufträge, die sich um die Templateerstellung für Word und PowerPoint drehen – alleine dafür brauche ich weiter Zugriff auf ein Windows mit Office365 – zur Not vielleicht auch mit VirtualBox. Dann kann ich zumindest unterbinden, dass Microsoft nach Hause telefoniert.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Irgendwann bin ich es leid, immer wieder neue Rechner und Softwareupdates zu kaufen, die nicht mir, sondern einzig den Anbietern/Herstellern nutzen.

Wenn ich dereinst so genervt bin, dass ich anfange den Kunden zu erklären, was für eine Vielzahl von Problemen sie sich mit macOS/Windows ins Haus holen, wird es interessant.

Denn ohne willige Contentgeneratoren gibt es keinen Content.

 

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