Erstaunlich wenig HackMac

Der Rechner, dessen Aufbau und Macifizierung so viel Zeit und Hirnschmalz in Anspruch genommen hat, läuft seither erstaunlich problemlos im Alltag.

Ich schalte ihn morgens an, arbeite daran und schalte ihn abends wieder aus. Viel unspektakulärer geht es kaum. Wenn ich hingegen Drama haben möchte, versuche ich das gleiche mit meinem 2013er MacBook Pro: in den letzten Wochen mag das nur jeden zweiten oder dritten Aufklappvorgang als Wunsch meinerseits als ernstzunehmende Aufforderung auffassen, eventuell das Display zu aktivieren.

Es gibt Tage, an denen sich der HackMac-Clover zu verschlucken scheint; dann hilft ein beherzter Druck auf den Reset-Schalter – sowas Schickes hat ein auf Standardkomponenten basierender Rechner nämlich. Bisher gab es dabei keine bleibenden Nachwirkungen und im zweiten Anlauf startete der HackMac bisher immer.

CreativeCloud

Die erste Software, die auf den Rechner wanderte, war Adobes Creative Cloud. Da ich den größten Teil des Tages mit dieser Software arbeite, war für meine Erfolgseinschätzung entscheidend, ob es mit InDesign und Illustrator Probleme gibt. Aber hier läuft bislang alles so, wie es auf anderen, echten, Macs auch funktioniert. Der HackMac zeigt die gleichen Probleme wie andere Macs auch und entwickelt keine besonderen Eigenheiten. Man kann sich davon herleiten, dass viele CC-Probleme tatsächlich aus dem Zusammenspiel von macOS und Adobe herrühren – und eher selten etwas mit der Hardware zu tun haben.

Office

Ich setze hauptsächlich das nicht gerade taufrische Office 2011 ein; und dessen Installation sorgte für den ersten Moment, an dem ich dachte, dass etwas nicht lösbar sein könnte:

Nach Abschluss der Installation fordert Office 2011 sehr vehement eine Onlineaktivierung ein. Diese Onlineaktivierung funktioniert auf echten Macs schon derartig schlecht, dass ich sie in den letzten Monaten nie in der Erwartung ausgelöst habe, dass sie tatsächlich funktioniert. Da ich das etwa 15 bis 20 Mal getan habe, kann ich sagen, dass in vielleicht drei Fällen die Aktivierung direkt und fehlerfrei funktionierte. In den restlichen Fällen musste ich die Microsoft-Aktivierungsnummer anrufen und mir mehr oder weniger sinnhafte Sprüche über „Aktivierungszähler“ anhören, die man „freundlicherweise“ zurücksetzen bzw. erhöhen würde.

Auch auf dem HackMac scheiterte die Onlineaktivierung und ich rief die Hotline an. Ich bekam die Aktivierung ermöglicht, Office aktivierte sich und ich war happy.

Doch das änderte sich am nächsten Tag: Ich startete Word und der Aktivierungsdialog ging wieder auf. Das hatte ich bisher noch an keinem Rechner erlebt. Ich beendete den Vorgang, schaltete den HackMac aus und nutzte mein MBP zur Bearbeitung des Auftrags.

Tags darauf wollte ich LibreOffice installieren und klickte, quasi als Gegenprobe, nochmal auf Word: und, siehe da, es startete ohne abermalige Aktivierungsanforderung. Seither funktioniert Office, inklusive Updates, problemlos.

Bluetooth und WLAN

Im Rechner steckt, siehe Teil 1, eine vergleichsweise kostspielige Bluetooth- und WiFi-Lösung, die ich als nice-to-have integriert habe. Mir wurde aber schnell bewusst, dass viele Benutzer es gewohnt sind, irgendwelche Gerätschaften per Bluetooth mit dem Rechner zu verbinden. Im einfachsten Fall sind das Mäuse; aber richtig spannend wird es bei eiFon-Kopplungen. Im Tagesgeschäft funktionieren Mäuse einwandfrei; WLAN läuft (spielt aber aktuell für mich keine Rolle) und, bei Hinterlegung der AppleID-Credentials (was man auf einem HackMac immer nur tun sollte, wenn man sich der Kontrolle von Apple aussetzen möchte), klappten sogar die High-End-Funktionalitäten mit dem eiFon wie die Rufweitergabe und ähnliche Spökes.

USB

Bisher arbeiten alle angeschlossenen Geräte ohne Auffälligkeiten. Wenn ich nicht wüsste, dass das noch ein Baustelle ist – ich würde es nicht mal bemerken. Besonders interessant dürfte es werden, wenn ich das erste Mal auf die Idee komme, ein USB-C-Gerät anzuschließen.

Ein Wacom-Tablet ließ sich problemlos per Treiber anbinden und funktioniert einwandfrei.

Bildschirmkalibrierung

Am HackMac hängen zwei Bildschirme; ein hardwarekalibrierbarer 24“ Eizo und ein 4:3 NEC mit 19“. Beide sind per DVI angehängt; an der NVidia-Grafikkarte. Die Kalibrierung des Eizo funktioniert problemlos. Damit die Kalibrierung durchgeführt werden kann, muss eine USB-Verbindung zwischen Monitor und Rechner bestehen, das Messgerät – in diesem Fall ein i1Pro2 – ebenfalls per USB am Rechner hängen und die Eizo-Kalibrationssoftware installiert sein. Reichlich Potential für Ärger, sollte man meinen – aber auch das funktioniert einwandfrei.

Performance

Neben mir arbeitet auch ein Kollege am Rechner, der primär Photoshop einsetzt. Da der HackMac über 64 GB Arbeitsspeicher verfügt und die sehr schnelle (und nun offenbar nicht mehr produzierte) Samsung AHCI M.2 SSD als Systemplatte dient, avancierte der HackMac schnell zum „Problemlöser“ für die schweren Fälle; sprich: Dateien, die einen besonders komplexen Aufbau haben und bei denen viele Ebenen „mal schnell“ ein- und ausgeschaltet werden müssen. Da höre ich keine Klagen.

Ein weiteres Therapiefeld sind Bearbeitungsvorgänge rund um Acrobat und PDFs, die auf anderen Rechnern entweder scheitern oder unerträglich lange dauern – bei diesen Kandidaten stellt der HackMac erstmals wieder Handlungsfähigkeit her. Das ist sehr erleichternd.

Mein konkreter Testfall ist ein InDesign-Skript, das von einer CSV mit gut 40 Spalten und über 1.000 Zeilen über verschiedene Musterseiten eine etwa 70-seitige Preisliste rendert. Damit kann man schön testen, wie effektiv Adobe seine Software programmiert (Spoiler: nicht sehr effektiv). Offenkundig belastet die Skriptbearbeitung primär einen Prozessorkern; was im Falle des HackMac natürlich nur einen Teil seines Potentials eröffnet. Zum Vergleich: Auf meinem MBP im Akkubetrieb läuft das Skript rund zehn Minuten. Hängt das MBP am Strom, ist das Skript nach fünf Minuten fertig. Auf dem HackMac poppt der Fertigdialog nach knapp vier Minuten auf. Der HackMac ist also deutlich schneller als mein nicht ganz taufrisches MBP. Aber man muss wissen, dass in meinem MBP ebenfalls ein Core i7 steckt, der in diesem Fall bis auf 3,8 GHz hochtakten kann – was nicht weit von den maximalen 4,2 GHz des 6700K im HackMac entfernt ist. Da auch das MBP über eine flotte SSD verfügt (und Adobe hier den Hintern nicht hochkriegt), erklärt sich, weshalb der Zeitvorteil nicht noch deutlicher in Richtung HackMac verschoben ist.

Wiederkehrendes

In regelmäßigen, etwa monatlichen, Abständen schaue ich nach, ob alle Teile des Rechners weiterhin korrekt erkannt werden. Das beginnt mit so einfachen Dingen wie der Erkennung der Grafikkarte im „Über diesen Mac“-Dialog. Wird da nicht die korrekte Menge Rechner- und Grafikkarten-Arbeitsspeicher angezeigt, ist was faul. Bisher gab es dabei keinerlei Schwierigkeiten.

Dann klickere ich mich durch diverse Systemeinstellungen; Netzwerk, Bluetooth, WLAN … und steige schließlich in den „Systembericht“ ein. Wenn mir dort nichts ins Auge springt, steige ich mit dem Blick auf die SSD aus – wenn der TRIM-Support korrekt aktiviert ist, bin ich erstmal zufrieden.

Fazit

Schwebte mit dem HackMac nicht ständig das Apple-Damoklesschwert über einem, könnte ich diese Maschine guten Gewissens als bezahlbares, leistungsstarkes und wartungsfreudliches Gerät empfehlen.

Aber jedes Sicherheitsupdate, jedes Point-Upgrade – geschweige denn tiefgreifende Wechsel wie von macOS El Capitan zu Sierra – bedeuten deutlich erhöhten Puls und, nunmehr zweimal geschehen, nach dem Update Nacharbeiten insbesondere an den macOS-Kexten zur Grafikkartenansteuerung. Wer das mit einem Schulterzucken weglächeln kann und es auch aushält, dass so ein Update irgendwann vielleicht erzwingt, dass der gesamte Installationsweg abermals gegangen werden muss, der ist mit so einem Gerät außerordentlich gut bedient.

Gemäß Benchmarks liegt die Leistung des HackMac auf einem Level mit seinem technischen Zwilling; dem aktuell dicksten iMac. Der kostet, allerdings inklusive eines ordentlichen Displays, dann rund das Doppelte. Vergleicht man die Rechnerleistung mit den (leider noch immer aktuellen) MacPros, hält man locker mit den Mittelklasse-Ausstattungen mit. Einzig, wenn verlässliches Rendering von 3D oder Video ansteht, würde ich eher zum MacPro raten. Nur Software, die nachweislich gut parallelisiert, kann da einen Vorteil ausspielen. Hackintosh-Anleitungen für „echte“ MacPro-Nachbauten sind aber sehr dünn gesät und damit das Risiko des Scheiterns für den Hackintosher beträchtlich: Die Komponenten für Xeon-Hackintoshes sind einfach zu teuer um einen beherzten Griff in die Schüssel zu riskieren. Es gibt allerdings recht viele Bauherren, die offenbar mit der Mehrkern-Reihe der i7-Prozessoren gute Ergebnisse erzielen. Damit habe ich mich allerdings nicht beschäftigt; das sind wieder andere Chipsätze, Mainboards – und Problemfelder; bei recht beträchtlichen Prozessorkosten. Für meine Kernanforderung „Creative Cloud“ ist der Core i7 mit seinen vier Kernen und 4 GHz Takt die Idealbesetzung.

Würde ich heute, einige Monate später, nochmals starten, fiele die Konfiguration nicht viel anders aus. Sehr ärgerlich ist, dass Samsung die AHCI-Varianten der M.2-SSDs offenbar nicht mehr produziert. Die NVME-Varianten scheinen aber mittlerweile auch ordentlich mit macOS zu funktionieren; aber das gilt wohl nur für Sierra – und das kommt mir noch lange nicht auf die nicht-flüchtigen Speicher. Es empfiehlt sich, genauer auf sinnvolle Grafikkarten zu schauen, als ich das getan habe. Wenn man weiß, dass analoges Video aktiv in macOS boykottiert wird und dass NVidia offenbar nicht mehr wohlgelitten ist, scheinen unterstützte AMD-Karten der schlauere Weg zu sein. Doch unterstützt werden entweder nur sehr alte (bis El Capitan) oder sehr neue (dann aber nur mit Sierra) Radeon-Prozessoren.

Grundsätzlich ist das ein toller, leistungsfähiger und zuverlässiger Rechner. Man muss einen gewissen Spieltrieb mitbringen und es ggfs. aushalten, dass man, ohne tief in die Eingeweide zu greifen, eventuell nicht innerhalb von drei Minuten die dringende Datei bearbeiten kann, derentwegen man sich vor den Rechner gesetzt hat. Aber das ist bei den echten Macs mittlerweile auch immer öfter ein Problem.

Happy Hackintosh!

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