Farbmanagement? Das ist nur was für Drucker!

Anfang März 2016 war ich Gast auf dem „PSO Kongress 2016“, der vom Bundesverband Druck und Medien veranstaltet wurde. Wenn man sich in einer Welt bewegt, in deren Zentrum ein Drucksaal steht, konnte man am Ende des Tages den Saal verlassen und sich sagen: „Cool. Ist ja jetzt alles geregelt.“ Denn man hatte sich in vielerlei Beiträgen selbstschulterklopfend erarbeitet, dass künftig tolle Daten angeliefert würden, mit denen man endlich wieder nach „Standard“ – und damit kontrolliert – drucken könne. Hätte da nicht ein Beitrag gestört, der eindringlich deutlich machte, dass die Datenerzeuger das komplett anders sehen.

Aber; was ist eigentlich das Problem der Branche, die Papier bunt macht?

Ich denke, die Probleme haben begonnen, als man aufhörte, das Drucken als Kunst zu betrachten und die Produkte industriellen Anforderungen genügen mussten: insbesondere als man erwartete, dass vielfarbige Drucke bei wiederholten Produktionsvorgängen nur noch in einem sehr engen visuellen Korridor als korrekt akzeptiert wurden.

Heute hat man es mit einer Vielzahl von chemisch behandelten Bedruckstoffen zu tun, die mit immer ausgefeilteren Gestaltungen aus komplexer Software heraus bedruckt werden sollen. Bedauerlicherweise hat sich aber gleichzeitig an vielen Positionen in diesem Prozess die Geisteshaltung nicht wesentlich verändert: „Ich erledige die mir gestellte Aufgabe. Nicht mehr, nicht weniger.“ Nur ist diese Haltung nicht mehr tragfähig. Sprich: sie führt zu unbefriedigenden Ergebnissen.

Um heute zu einem Produkt in vorhersagbarer Qualität zu kommen, muss der Datenerzeuger wissen und berücksichtigen, auf welchem Material am Ende gedruckt wird. Dieses Wissen und die dazugehörigen Entscheidungen kann der Datenerzeuger nicht wegdelegieren; zumindest dann nicht, wenn er einen optimalen Farbraum aufs Papier bekommen möchte. Niemand möchte am Ende Verlaufsabrisse oder unschöne Farbverschiebungen im Endprodukt sehen.

Das aber kann der Drucker am Ende nur noch notfallmäßig auffangen, wenn der Datenerzeuger gepennt hat. Qualität entsteht auf diesem Weg nicht.

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