Farewell, Apple

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Ich bin langsam und loyal. Wäre ich beides nicht, hätte ich bereits nach dem ersten deutlichen Signal von Apple im Jahr 2010, dass man keine professionellen Kunden mehr haben möchte, begonnen, mich von der Plattform zu verabschieden. Einer Plattform, deren begeisterter Nutzer und Kunde ich nun seit fast 20 Jahren bin.

Was geschah im November 2010? Damals sickerte durch, dass das Unternehmen keine Server für IT-Schränke mehr anbieten wird. Vorlaufzeit für Kunden um letzte Bestellungen zu tätigen: zwei Monate. Wer weiß, wie langsam Entscheidungen in diesem Umfeld getroffen werden, kann einschätzen, was für ein Affront dieser lächerlich kurze Zeitraum gegenüber Unternehmenskunden war. Es war just in dieser Zeit, als das Unternehmen, in dem ich arbeitete, seinen Kunden Serverlösungen auf Basis von MacOSX verkaufte. Wir starrten uns an wie kleine Kälber auf dem Weg in den Schlachter-Lkw.

Das Selbstbewusstsein, ein gut zahlendes und loyales Kundensegment einfach vor den Kopf zu stoßen und abzusägen, hätte ich Apple bis zum 5. November nicht zugetraut. In der Zeit danach begann ich aufzuzeichnen, welche Entwicklungen an den Produkten ablesbar machen könnten, wo Apple seine Zukunft sieht – und genauer zu beobachten, ob sich diese Ziele mit meinen privaten und beruflichen noch decken. Dabei kam folgende Liste heraus, die eine bunte Mischung aus emotionalen und technischen Themen darstellt, die mich immer weiter von Apple entfernt haben:

2009 Unibody-Gehäuse bei den Mobilgeräten erschweren Erweiterungen und Akku-Tausch.
2011 Apple stellt FinalCutX vor – und bietet keinen Upgradepfad für FinalCut-Bestandskunden an. Diverse Teilapplikationen aus FinalCutStudio werden kommentarlos eingestellt oder müssen einzeln nachgekauft werden.
Apple drängt immer massiver darauf, dass Kunden zu ihrer AppleID Kreditkartendaten hinterlegen. Es wird im Laufe der folgenden Monate immer schwerer, eine AppleID ohne eine Vielzahl persönlicher Daten und Zahlungsinformationen zu bekommen. Für Softwarebezüge von Apple und zur Aktivierung von Geräten ist sie aber zwingend erforderlich.
Einstellung der XServe-Serie.
2012 Einführung von iMac und Retina-Laptops mit verlötetem, nicht erweiterbaren Arbeitsspeicher. MBP 13“ wird – trotz exorbitant hoher Bildschirmauflösung – nur mit Chipsatz-Grafikkarte ausgestattet. „Professionell“ ist anders.
Fragen werden laut, warum Apple den MacPro nicht auf den aktuellen technischen Stand bringt.
Apple erhöht über Nacht die Preise aller Produkte im AppStore um 10% – Entwickler sehen sich gezwungen, sich deshalb bei ihren Kunden zu entschuldigen, sind aber schuldlos.
Es wird bekannt, dass Apple außerhalb der USA weniger als 2% Steuern bezahlt.
Eddy Cue, bei Apple (USA) für Internet-Dienste und -software zuständig, wird in den Aufsichtsrat von Ferrari (IT) berufen. Der Mann muss ja Zeit haben.
Der SPIEGEL berichtet über die frühkapitalistischen Arbeitsbedingungen in deutschen AppleStores. Interessanterweise taucht dieser Artikel niemals in der Onlineausgabe des SPIEGEL auf.
Apple zwingt User zum Hinterlegen von Sicherheitsinfos bei ihrer AppleID.
MacOSX.8 „Mountain Lion“ kommt auf den Markt. Apple entscheidet, dass Geräte von 2010 zu alt sind, um damit Video auf ein AppleTV zu streamen. Mit diesem Upgrade entfällt auch die RSS-Unterstützung in Safari und Mail.
2013 Offenbar überwacht Apple systematisch und heimlich seine Mitarbeiter – auch in deutschen AppleStores. Zur Einordnung: das verstößt gegen deutsches Recht.
Es wird bekannt, dass Apple ab März 2013 keine MacPros in der EU mehr verkauft (oder verkaufen darf). Apple stellt weder Abhilfe in Aussicht noch erklärt das Unternehmen, warum die Geräte nicht mehr verkauft werden dürfen.
Apple entscheidet über den Kopf des Anwenders hinweg, dass er Adobe Flash upzudaten hat.
Das Retina-MacBookPro 15“ kommt auf den Markt. Es wird das erste „Pro“-Gerät, bei dem die spiegelnde Glasscheibe vor dem Display nicht „wegkonfiguriert“ werden kann. Damit sind diese Geräte für mich unbrauchbar.
Apple wendet sich an den Kapitalmarkt, um Geld aufzunehmen, das anschließend an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll. Da die 145 Milliarden Dollar Barreserve des Unternehmens auf sonnigen Inseln lagern, müsste Apple Steuern zahlen, wenn sie dieses Geld „nach Hause“ holen würden. Der Bezug über den Kapitalmarkt ist also billiger, als das vorhandene Geld zu benutzen und die Staaten, deren Einwohner Apple-Produkte kaufen, mit Steuereinnahmen zu versorgen.
Der CEO von Apple, Tim Cook, wird vor den US-Senat zitiert und muss dort die Steueroptimierungen des Unternehmens erläutern. Dabei erklärt er, dass die USA ihre Steuersätze reduzieren sollen; dann würde man das Geld ins Land holen. Das wirtschaftliche Konzept hinter einer funktionierenden Demokratie scheint Mr Cook nicht geläufig zu sein.
Auf der WWDC kündigt Apple an, irgendwann einen neuen MacPro zu liefern, der zwar als performanter Arbeitsplatzrechner – aber nicht als Server – genutzt werden kann.

2013 ist das Jahr in dem mir endgültig klar wurde, dass Apple mich als Kunden nicht mehr haben möchte. Es ist das Jahr, in dem der Tim-Cook-MacPro auf den Markt kam, vor dem ich schon 2012 Angst hatte.

Apple, ich brauche wahrlich professionelle, leistungsfähige Geräte zu einem marktüblichen (!) Preis. Bei euch bekomme ich nur noch überteuerte Designer-Wegwerfware – ich kann nichts aufrüsten oder reparieren.

Apple, ich brauche vollständige Transparenz über meine Daten – im beruflichen Umfeld schon aus rechtlichen Gründen! Ich will nicht in eurer arschlahmen iCloud unterwegs sein und meinem Datenschützer erklären müssen, dass ich leider nicht so genau weiß, wo meine Daten liegen und wer sie alles mitlesen kann.

In den nächsten Wochen werde ich mich intensiv mit zwei Welten beschäftigen und mich entscheiden, welche davon ich künftig privat und beruflich nutzen möchte. Aus dem Bauch heraus denke ich, dass ich im Büro wahrscheinlich auf Windows wechseln werde und privat auf Linux. Im beruflichen Umfeld kann ich noch nicht auf Adobe und Microsoft verzichten. Privat wird mir das eher gelingen.

Die Festplatte meines MacBookPro ist frisch partitioniert. Mein altes Leben liegt auf der Mac-Partition. Der Linux-Installer läuft gerade auf der neuen Partition.

Farewell, Apple. Du hast meine Loyalität restlos verzehrt.

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14 Antworten auf „Farewell, Apple“

  1. Moin auch,
    hm, woll, nach heutigem Blick auf den MacPro-Nachfolger kann ich das nur zu gut verstehen. Ich hoffte, dass eben dieser Nachfolger ein erweiterbares Produktionsmodell sein würde. Ein paar abgeschnittene Zöpfe – okay. Einen DVD-Brenner kann ich wohl danebenstellen. Aber ein stylisher Zylinder, der so aussieht wie meine Saeco-Kaffeemaschine und die bisherige Peripherie zu Technik-Schrott degradiert? Das ist derbe.

    Mit zwiespältigen Grüßen
    Günther

  2. Kann ich gut verstehen, aber die Probleme sind ja viel schwerwiegender. Persönlich habe ich Apple schon lange „farewell“ gesagt, weil die Preis-Leistungs-Relation nicht mehr stimmte. Dabei habe ich auch in kauf genommen, daß Adobe-Anwendungen unter Windows potthäßlich aussehen und wegen der Winzigbeschriftung auch schlechter zu bedienen sind.

    Momentan habe ich einen ALDI-PC unterm Schreibtisch stehen, superschnell und mit einer 1-TB-Festplatte. Das vorinstallierte Windows 7 ist nicht schlecht, zumal ich vieles unter OpenSUSE Linux in einer virtuellen Maschine erledige. Außerdem ist die Hardware offen, d.h. ich kann den PC aufrüsten. Kostenpunkt: 499 EUR.

    Mein Laptop sieht ziemlich profan aus (ACER) und kam ebenfalls mit Windows 7 (wenn auch vom Hersteller schlecht konfiguriert). Aber man kann damit gut arbeiten.

    Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich halte Windows 7 keineswegs für ein gutes Betriebssystem, aber es ist wesentlich besser als XP oder Vista, und selbst die beiden letztgenannten sind allemal besser als Windows 8, das man meiner Ansicht nach nur als benutzerfeindlich bezeichnen kann. Wann bekommen Microsoft-Kunden das schlichte, aber ressourcenschonende und vergleichweise transparente UI von Windows 2000 zurück?

    Leider sieht es in der Open-Source-Welt aber nicht viel besser aus, denn die Entwickler des populären GNOME-Desktops haben sich (ähnlich wie Microsoft) entschieden, sowohl der intuitiven als auch rationalen Computerbenutzung den Kampf anzusagen und statt dessen theoretische Konzepte umzusetzen, denenzufolge jeder Computerbenutzer ein Vollidiot ist. Dasselbe gilt für das populäre Ubuntu mit seinem kaum benutzbaren Unity-Desktop.

    Die einzigen, die derzeit noch etwas gesunden Menschenverstand aufzubringen scheinen, sind die KDE-Entwickler sowie diejenigen, die die GNOME-2-Funktionen auf GNOME 3 rückportieren (und GNOME 2 war für mich schon eine Zumutung!).

    1. Bis vor wenigen Jahren hat Apple noch Hardware geliefert, die jedem preislichen Vergleich mit echten Highend-Geräten „von der anderen Seite“ locker standhielt. Seit einigen Jahren wird dem Design immer mehr Funktionalität geopfert und gleichzeitig das Preisniveau, freundlich ausgedrückt, gehalten. Zusammen mit dem iCloud-Zwang wird die Situation nun für mich unerträglich. Ich möchte Herr meiner Daten sein und Rechner nicht wegwerfen, sondern aufrüsten. Apple zwingt mich nun zu einem Plattformwechsel; wie einstmals von Commodore zu Windows und von dort zu den Macs. Mein Computer ist primär ein Arbeitsmittel – es scheint heutzutage in der Tablet- und Online-Konsumwelt schwierig zu sein, an eine Arbeitsumgebung zu kommen, die sich selbst zurücknimmt und mir besseres, effektiveres Arbeiten ermöglicht. Aus diesem Grund möchte ich es gerne mal mit Linux versuchen. Wenn du da Tipps für mich hast, wie ich sinnvoll einsteigen kann, nehme ich die gerne dankbar an. 🙂

  3. Das meiste, was Du in bezug auf Linux kennenlernen müßtest, ist Dir schon von Mac OS X bekannt, z.B. Benutzerkonten.

    Details können wir außerhalb der Kommentarfunktionen besprechen, denn schließlich muß ich meine E-Mail-Adresse eingeben, wenn ich hier etwas zum besten geben möchte 😉

    Für den Anfang würde ich jedoch ganz einfach einen sog. „Multimedia-PC“ empfehlen, wie ihn viele Elektronik-Märkte, aber auch Supermärkte wie ALDI anbieten, vorausgesetzt, Du bekommst ihn auch mit Windows 7. Als nächstes kannst Du VirtualBox bei Oracle herunterladen und installieren und dann das Betriebssystem Deiner Wahl in einer VM installieren.

    Ich persönlich verwende OpenSUSE, aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Die aktuelle Fedora-Version bietet beispielsweise die Installation einer Design-Suite (d.h. z.B. GIMP, Blender, Inkscape, Scribus und noch viel mehr) an.

    Man sollte aber von den Open-Source-Alternativen derzeit nicht zu viel erwarten. Sie sind alles in allem verdammt gut, aber noch nicht so gut wie etwa die Produkte von Adobe.

    Andererseits wird kaum jemand, der mit LyX unter Linux mit Mengensatz gearbeitet hat, jemals zu FrameMaker oder InDesign zurückkehren wollen, denn Zeit ist schließlich Geld 😉

  4. Lieber Jason,

    als Du mich gestern via Twitter gebeten hast, Dir beim nächsten Besuch doch einmal vorzuführen, wie ich denn Windows bediene, dachte ich zunächst – natürlich – an unser übliches Plattformgefrotzel. Erst jetzt, da ich Deinen Blog lese, verstehe ich die entscheidungsfolgenhabende Tragweite Deiner Worte.

    Mir, als jemandem, der schon 2 Agenture macfrei bekommen hat, liegt es aber nun fern, einen Sieg zu feiern, der keiner ist. Zumal meine Macaversion sich ja aus meiner Historie nährt und nicht zuletzt auf den hier oben bereits erwähnten Preis-Leistungs-Verhältnissen basiert.

    Als Grafiker kann ich – dem obigen Gastkommentar widersprechend – nur sagen, dass ich Adobe-Anwendungen weder potthässlich finde unter Windows, eher im Gegenteil, aber das ist so und so reine Gewohnheitssache. Und zum anderen habe ich sowohl Mac als auch Dose gleichermaßen zum Absturz gebracht. Die tun sich da, zumindest heutzutage, rein gar nichts mehr.

    Windows XP und auch 7 habe ich als sehr zuverlässige und extrem alltagstaugliche Systeme kennen gelernt. Vista hingegen war unfassbarer Schrott. Und zu 8 kann ich mir noch keine Meinung anmaßen.

    Im Grunde ist mir eigentlich komplett egal, wie das Gehäuse meines Rechners aussieht – ja, als normaler Nerd hatte ich natürlich auch schon mal eines mit Beleuchtung und fast abhebenden Lüftern – Hauptsache, das Ding funzt und lässt mich arbeiten. Und das finde ich, ist aber eine rein subjektive Meinung, wie die Eure, unter Windows zumeist barrierefreier (Stichwort Schriften installieren, Laufwerke abmelden…) und angenehmer.

    Bill Gates ist gewiss kein Heiliger und Microsoft lange genug mit Recht Hasskappe Nr.1, aber Steve Jobs und Nachfolger haben das meines Erachtens mittlerweile erfolgreich in den Schatten gestellt.

    Also, ich glaube zwar nicht, dass ich viel weiß, was Du, Jason, nicht weißt, aber ich führe Dir Windows gerne vor 🙂

    1. Nur ein paar Anmerkungen zum vorhergehenden Kommentar: Sowohl die Apple-Betriebssysteme vor OS X als auch die DOS-basierten Windows-Versionen (d.h. bis ME) waren in technischer Hinsicht absoluter Schrott, wobei Mac OS noch wesentlich primitiver war. Einen Teil des Erbes schleppen beide Systeme heute noch mit. Amiga OS, OS/2 und BeOS waren in technischer Hinsicht meilenweit voraus und vor allem stabil, haben sich aber nie durchsetzen können. Wer wirklich stabile Systeme brauchte (z.B. auf Servern), verwendete eine UNIX-Variante oder VMS.

      Nachdem sowohl Microsoft als auch Apple eingesehen hatten, daß es so nicht weitergehen konnte, setzten sie jeweils auf eines der erwähnten Pferde: Microsoft auf OS/2 und VMS (Windows NT wurde von ehemaligen VMS-Programmierern entwickelt), Apple auf UNIX. Viele wissen es nicht, aber OS X ist ein Open-Source-UNIX-System mit ein paar proprietären Apple-Schichten darüber und leider auch Apple-typischen Idiosynkrasien aus dunklen Tagen. Insofern dürfte Jason wenigstens mit Linux keine Probleme haben, denn es funktioniert wie ein UNIX ohne das Apple-Chaos mit der doppelten Verzeichnisstruktur (UNIX und Apple klassisch). Es ist also wesentlich übersichtlicher und transparenter. Das Verzeichnis-Chaos unter Windows ist leider im Verlauf der Zeit immer schlimmer geworden, und mit Windows 8 hat MS auch noch zwei grundverschiedene Bedienphilosophien für den Desktop eingeführt. Selbst wenn Jason sich für Windows 7 entscheidet, muß er also ein bißchen mehr Lernaufwand als für Linux einkalkulieren 😉

      Zur Hardware: Das Arbeitstier (Desktop-Computer) steht unterm Schreibtisch, d.h. ich sehe es nur, wenn ich es einschalte und beim Saubermachen. Was schert es mich da, wie es aussieht? Es muß schnell sein, viel Arbeitsspeicher und eine große Festplatte haben. Wenn das Ding langsam seinen Geist aufgibt, dann werden die Daten gesichert und etwas Neues angeschafft, denn zu dem Zeitpunkt ist die Garantie ohnehin abgelaufen. Eine Reparatur eines Apple-Computers (andere, z.B. Sony, können das aber auch!) nach Ablauf der Garantie kostet nur unwesentlich weniger als ein neuer PC/Laptop, oder hat sich das inzwischen gebessert?

      Noch ein Wort zu Open-Source-Software: Die meisten freien Programme gibt es für alle drei Betriebssysteme, und das schöne an der offenen Entwicklung ist die Tatsache, daß man nicht auf Veröffentlichungen warten muß, sondern Neuerungen direkt ausprobieren kann, indem man den Quellcode kompiliert. Das ist unter Linux ziemlich einfach, unter OS X nur unwesentlich schwieriger, unter Windows aber haarsträubend kompliziert. Was die erforderliche Zeit zum Kompilieren angeht, so liegt Linux ebenfalls vorne, Windows in der Mitte und OS X am Ende: Was unter Linux vielleicht zehn Minuten dauert, braucht unter OS X oft mehr als eine Stunde. Aber ich nehme nicht an, daß Jason unter die Software-Entwickler oder -Tester gehen will …

      Und was die „beste“ Linux-Distribution angeht, so sind die Meinungen geteilt. Ubuntu hat mit vielen fragwürdigen Entscheidungen sehr viel Kredit verspielt, und momentan scheint der Ubuntu-Ableger „Linux Mint“ am beliebtesten zu sein. Populär sind auch Fedora und OpenSUSE sowie für Puristen Debian. Wie bereits erwähnt, bevorzuge ich OpenSUSE, weil der Hersteller in Deutschland sitzt und deswegen die Lokalisierung am besten ist. Außerdem gehört der Hersteller zu Novell bzw. Attachmate und ist mit seinen Angeboten kommerziell erfolgreich (d.h. auch gezwungen, entsprechende Qualität abzuliefern). Ähnliches gilt für Fedora, hinter dem Red Hat steht. Die Software-Auswahl für alle genannten Distributionen ist aber in jedem Fall riesig, und was man aus rechtlichen Gründen (z.B. Patenten auf Video-Codecs) nicht auf der Installations-DVD geliefert bekommt, kann man bequem (Breitbandverbindung vorausgesetzt) per Paketmanager nachinstallieren.

  5. Ich möchte hier keine altbekannten Grabenkriege starten. Prinzipiell kenne ich alle genannten Systeme mehr oder weniger gut; gefangen hatten mich aber nur Amiga, Windows95 und dann MacOS und MacOSX. Ich möchte ein stabiles System, das sich zurücknimmt und mir effektives Arbeiten ermöglicht.

    Vielleicht sollte ich ergänzen, dass ich – wegen der vielen tausend Euro, die in Form von Software auf meinem MacBookPro lagern – natürlich nicht von heute auf morgen umsteigen werde. Aber ich werde umsteigen.

    Vielen Dank für eure Gedanken und Informationen! 🙂

  6. Hallo,
    also ich kann nur sagen, es tut überhaupt nicht weh unter Windows zu arbeiten… all die „Probleme“, die es diesbezüglich vielleicht mal gab, gibt es meiner Meinung nach heute nicht mehr. Der Rest ist einfach Gewohnheit und persönliches Empfinden.
    Mich beunruhigt mehr die Dominanz und Marktbeherrschung von Adobe. Auch wenn ich die ganze Suite top finde und damit zufrieden sein könnte – dass es quasi keinen Wettbewerb mehr für den professionellen Einsatz gibt ist halt auch nicht gut… Aber das ist jetzt ein anderes Thema 😉

    Gruß Michael

    1. Hallo Michael,

      ja, was Adobe angeht habe ich das gleiche Problem. Alles, was brauchbar war, wurde aufgekauft – und die schlechteren Eigenprodukte fortgeführt. Da Adobe nun offenbar von der gleichen Hybris befallen ist wie einstmals Quark – und an noch mehr Stellen im Produktionsprozess mitverdienen möchte –, dürfte sich das in absehbarer Zukunft selbst regeln. Zumindest hoffe ich das. Etwas Spannung hebe ich mir für XPress 10 auf. Wenn das wirklich ein großer Wurf wird, ist das Spiel wieder etwas spannender. Allerdings darf man zweifeln. 🙂

  7. Ich möchte noch kurz betonen, was gar nicht betont werden muss, dass ich mich – anders als Jason oder Chris – diesem ganzen Thema aus der reinen Anwendersicht nähere. Ich bin wie gesagt Grafiker, also User. ich muss keine Syteme einrichten, Betriebe mit Heerscharen von Rechnern ausrüsten oder Server zusammenschließen. Ich benutze die Teilchen einfach nur. Und auf dem Level eines professionellen Grafikers kann ich halt nur aus meinem Erfahrungsschatz heraus sagen, dass sich da keines der Systeme als wesentlich besser herausgestellt hat. Hinzu kommt, dass ich bei Windows eben problemlos ein paar Einstellungen vornehmen kann, ohne mich knietief in irgendwelchen Foren zu versenken. Ich denke aber, dass Ihr hier in Eurer Diskussion weitaus tiefer schürft. Das ist in etwa so, als würde ein Arzt über die Schönheit oder die Unvollkommenheit von Organen reden. Und dazu bin ich definitiv nicht qualifiziert genug 😉 Bleibt meine Usermeinung und die ist mit Windows 7 gerade sehr glücklich.

    1. Und ich möchte gleichfalls betonen, dass auch ich eigentlich Anwender bin – von den Herstellern aber immer und immer wieder gezwungen werde, mich als Administrator zu betätigen. Da nun auch Apple das immer mehr von mir will – gleichzeitig aber behauptet, für viel Geld das einfachste System der Welt zu liefern – löse ich mich nun aus dieser finanztödlichen Umklammerung und beschreite künftig andere Wege. 🙂

      1. Meines Erachtens ist die Unterscheidung zwischen „Administrator“ und „Anwender“ nicht sehr sinnvoll, denn solange man vollen Zugang („Administratorrechte“) zu seinem System hat, ist man beides.

        UNIX-Systeme wie Mac OS X oder Linux erlauben für Interessierte vollständige Transparenz, während Windows ein ziemlich undurchsichtiges System ist.

        Um einmal einen etwas abgelutschten Vergleich zu benutzen: Ich möchte kein Auto fahren, bei dem die Motorhaube zugeschweißt oder nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen ist; bei dem ein Reifen- oder Ölwechsel nur in einer vom Fahrzeughersteller lizenzierten Fachwerkstatt möglich ist; oder bei dem ich, um Frostschutzmittel nachzufüllen, erst um Erlaubnis fragen muß.

        Es gibt gewiß genügend Autofahrer, denen das aus Bequemlichkeit herzlich egal ist, aber man lernt schon in der Schule, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert, und in der Fahrschule wird erweitertes Grundwissen eingeübt, darunter auch die notdürftige Absicherung einer Unfallstelle. Um den Führerschein zu erwerben, muß man außerdem erfolgreich einen Kurs in Erster Hilfe absolviert haben. All das dient der Schadensabwendung in bezug auf sich selbst und die Allgemeinheit. Es käme wohl keiner auf die Idee, an einen Führerscheininhaber dieselben Anforderungen zu stellen wie an einen Kfz-Mechaniker oder Notfallmediziner, aber „Nur“-Fahrer gibt es jedenfalls in Deutschland nicht (nicht geleistete Erste Hilfe kann sogar strafbar sein).

        Mit Computern kann man als „Nur-Anwender“ ohne entsprechende Grundkenntnisse ebenfalls große Schäden anrichten (z.B. als unfreiwilliges Mitglied eines Botnets). Deswegen sollte man schon etwas mehr über das Betriebssystem wissen, mit dem man arbeitet, und zwar ganz besonders dann, wenn man keinen echten und ausgebildeten Systemadministrator zur Hand hat.

        Wie aus meinen vorhergehenden Anmerkungen (hoffentlich) zu ersehen ist, geht es auch mir nicht um irgendwelche Grabenkriege. Virtuelle Maschinen eingeschlossen, habe ich hier zur Zeit 14 Betriebssysteme samt Anwendungen verfügbar, darunter eComStation (OS/2-Nachfolger), PC-BSD, Haiku (BeOS-Nachfolger) oder OpenIndiana, teils aus nostalgischen Gründen, teils aus Neugier. Bin ich deshalb ein „Administrator“ oder gar „Programmierer“? Wohl kaum! Aber die verschiedenen Konzepte kennenzulernen und zu verstehen hat nicht unerheblich zu meinem Verständnis von Computern beigetragen, ebenso wie der Schul- und Fahrschulunterricht zum Verständnis von Kraftfahrzeugen beigetragen hat.

        1. Hallo Chris,

          hier geht es durchaus um eine elementare Thematik. Apple liefert – m.E. als einziger Hersteller – ein Betriebssystem, bei dem sich der Anwender der Illusion hingeben kann, keine Verantwortung für den Betrieb des Rechners übernehmen zu müssen. Einer der Gründe für den Erfolg der Plattform dürfte sein, dass man ohne viel Aufwand zu einem betriebsfähigen und stabilen Rechner kommt; auch, wenn mal mal „neu installieren“ muss.

          Leider wird die Technik unter der Haube – ganz analog zum Auto – immer komplexer. Und daher halte ich es nicht für realistisch den Fall des selbstadministrierenden Anwenders für den Standard zu halten. Ich kenne keinen einzigen Anwender in meinem Kollegenumfeld, der ähnlich viel über die Kiste weiß, an der er täglich arbeitet wie ich – und ich weiß nichts; oder nur wenig mehr als ein reiner Software-Anwender.

          Eigentlich lauert hier eine riesige Marktlücke. Aber ein gefälliges und funktionales Interface zu bauen gehört zu den anspruchsvolleren Dingen im Softwareumfeld – wie man immer wieder sieht.

          1. Hallo Jason,

            Du hast es ja selbst geschrieben: Es ist ein Illusion, aber, wie von Apple nicht anders zu erwarten, schön verpackt. BeOS hatte das sogar noch besser gemacht, aber es hat ihm nichts genutzt. Übrigens ist Mac OS für Leute, die nur Windows oder eine Linux-Oberfläche kennen, durchaus nicht so leicht zu bedienen, wie viele glauben.

            Die anderen haben es nicht so gut gemacht: Microsoft hat sich immer wieder selbst ein Bein gestellt und es sogar fertiggebracht, mit Windows 8 ein für Normalanwender kaum benutzbares, völlig unintuitiv zu bedienendes System zu veröffentlichen. Die Open-Source-Flops habe ich auch schon erwähnt.

            Was die Technik „unter der Haube“ angeht, so wird diese für die Anwenderseite nicht komplexer, sondern nur für die Programmierer, die stets neue Treiber schreiben müssen. Ansonsten wird es sogar immer einfacher. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich aus nostalgischen Gründen eComStation starte: da muß man tatsächlich manchmal noch irgendwelche *.COM-Dateien mit dem Texteditor bearbeiten, um manche Programme zum Laufen zu bringen! Nehmen wir dagegen eine aktuelle Linux-Distribution und das Beispiel Drucker oder Internet: Vor ein paar Jahren war das beides noch ohne genauere Kenntnisse fast unlösbar. Heute: Netzverbindungen werden automatisch erkannt, und wenn ein Drucker unterstützt wird (gilt für fast alle), genügt es meist, das Gerät einfach anzuschließen. Eine Treiberinstallation ist nicht notwendig.

            Ich glaube auch nicht, daß Anwender zu doof dazu sind, ihre Rechner verantwortungsbewußt zu „administrieren“ (und schon die Installation neuer Software oder zusätzlicher Fonts ist eine klassische Administratoraufgabe). Ich selbst kämpfe bis heute mit Mobiltelefonen und Smartphones, während selbst Kinder oder Leute ohne Schulabschluß diese komplexen und furchtbar schlecht zu bedienenden Mini-Geräte problemlos bedienen können. Und was ist mit Fernbedienungen für Fernseher oder gar Kombifernbedienungen? Wenn man sich diese und deren Bedienungsanleitungen anschaut, könnte man meinen, man bräuchte ein Elektrotechnikstudium, um wenigstens Grundfunktionen wie Ein/Aus oder Programmwahl vorzunehmen. Und siehe da: es funktioniert. Oder nehmen wir den Gegenstand Deiner Website: Die Bedienung der für den Printbereich relevanten Teile der Creative Suite ist 1000mal komplexer als grundlegendes (im Sinne von Reifenwechsel oder Erste Hilfe) Computerwissen. Ein weiteres Beispiel aus dem Kreativbereich: Font-Management — eine klassische Admin-Aufgabe!

            Größtenteils sind hier Hersteller wie Microsoft (die vor allem) und Apple schuld, die seit nunmehr Jahrzehnten die Anwender in der falschen Gewißheit wiegen, sie müßten vom System selbst nichts verstehen. Und nicht nur das: sie haben auch immer mehr Einstellungen versteckt oder schwer zugänglich gemacht.

            Im übrigen bin ich der Meinung, daß Computeranwender, jedenfalls solange sie mit dem Internet verbunden sind, eine Verantwortung tragen, und zwar ganz genauso wie eine solche, die man von Verkehrsteilnehmern (dazu gehören auch Radfahrer und Fußgänger) einfordern kann. Computerbenutzer, die sich im Internet bewegen, sind keine Dreirad- oder Kettcarfahrer im Kindesalter, die nur im heimischen Garten oder auf dem Hof unterwegs sind. Wenn Kinder einen Verkehrsunfall verursachen gilt meist der Grundsatz „Eltern haften für ihre Kinder“. Wer haftet für kindlich-naive, aber erwachsene Computernutzer?

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