Adobe – ein Unternehmen auf Crystal Meth

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In den letzten Tagen überschlagen sich die Ereignisse in der Publishing-Branche. Während in den Fachforen und -medien noch gerätselt wurde ob man die kommende Creative Suite 7 wie bisher als Nutzungslizenz wird kaufen können, schaffte Adobe Tatsachen und ließ verlauten, dass es künftig nur noch die Creative Cloud geben wird.

Es dauerte ein wenig, bis die ersten Reaktionen auf diese Ankündigung in den Kommentaren zu den jeweiligen Pressebeiträgen wieder nach vorne schwappten. Grundtenor: „Soll ich jetzt noch schnell meine Lizenzen auf CS6 hochziehen?“

Diese Frage kann man ebenfalls schon beantworten: Nein. Denn Adobe hat die Suites komplett aus seinem Shop genommen.

Daraus kann man schließen, dass jetzt noch Restbestände von Boxed-Produkten abverkauft werden – und dann ist finito. Da das Unternehmen schon vor einiger Zeit hat durchblicken lassen, dass man keine Boxen mehr produzieren wird, lautet das Motto des Tages:

Willkommen in der Creative Cloud!

Über die verschiedenen Auswirkungen, die der Wechsel von einem Lizenz- auf ein Mietmodell bei Software hat, konnte und kann man viel lesen. Darum halte ich mich damit nicht lange auf.

Worum es mir geht:

Es ist unfassbar vermessen von Adobe, seine Kunden innerhalb weniger Tage vor vollendete Tatsachen zu stellen; Bestandskunden, die zum Teil seit Jahrzehnten in deren Software investiert haben.

Was Adobe hier betreibt, ist die aktive und mutwillige Zerstörung einer Kundenbeziehung. Adobe erweist sich als arrogant und undankbar; kurz: als mindestens genauso bornierter Monopolist wie es Quark zehn Jahre zuvor im DTP-Bereich war – und von seinen Kunden kopfschüttelnd in die Bedeutungslosigkeit geschickt wurde.

Also wirklich, Adobe – wie dumm muss man sein um mit der gleichen unfassbaren Hybris wie damals Quark seine Kunden zu verprellen?

Adobe opfert seine Kundenbeziehungen der Droge „Geld“ – und wir stehen davor, ein Marketing-Lehrstück erster Klasse erleben zu dürfen. Wie unterhaltsam es doch wäre, wenn man das als unbeteiligter Zuschauer beobachten dürfte. Und nicht gezwungen wäre, mit dieser Software zu arbeiten.

Erst Hochmut; dann Fall. Adobe – handle schnell!

 

Crystal Meth – http://de.wikipedia.org/wiki/N-Methylamphetamin

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8 Antworten auf „Adobe – ein Unternehmen auf Crystal Meth“

  1. Abwarten, würde ich sagen. Die Deutsche Bahn hat damals ihr unmögliches Tarifkonzept über Bord geworfen, Microsoft bringt in Windows 8.1 das „Start“-Menü zurück, und die Rechtschreibreform ist auch schon halb zurückgenommen worden. Außerdem wird es mit Sicherheit Gerichtsprozesse geben, denn das Mietmodell ist juristisch angreifbar. Die EU-Kommisson dürfte auch noch ein wenig mitreden.

  2. Und jetzt noch der Spionage-Skandal! Adobe müßte als Minimum garantieren, daß keine Daten an die NSA oder einen anderen Geheimdienst abgeführt werden. Adobe müßte sich außerdem schriftlich und gerichtsverbindlich bereit erklären, europäische Kunden nicht lahmzulegen. Um letzteres zu garantieren, müßte die EU-Kommission einfach darauf bestehen, daß der Quellcode bei ihr hinterlegt wird.

  3. Den Kommentar zum Gebaren von Adobe finde ich recht treffend, ich werde ihn in meiner Fachzeitschrift Newsbox verlinken.

    Ein Aspekt scheint mir zu fehlen:
    Adobe kann ja nur so agieren, weil die Branche durch ihr eigenes Verhalten über Jahre dafür gesorgt hat, daß Adobe in weiten Teilen ein Monopol besitzt. Und das ist eben die Voraussetzung für den Machtmißbrauch, den wir jetzt erleben.
    Seit 10, 12, 15 Jahren haben uns viele Branchenkollegen ständig und mitunter dringend geraten: Unbedingt von Quark Xpress auf Adobe InDesign wechseln, ganz cooles Produkt, megastark und zigmal besser als Xpress.
    Ja, und wie man heute sieht: Zigmal teurer.

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