Print-Tektonik

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Was haben Autos und Druckmaschinen gemeinsam?

Ich neige sonst nicht zu solchen Vergleichen; aber im Bereich „Print“ ist es offenbar höchste Zeit, das zu tun. Hintergrund:

Gestern hat pdfxready.ch seinen aktuellen „Leitfaden“ in der Version 2 revidiert bereitgestellt – und dabei den bisher enthaltenen Vorschlagsweg, wie RGB-Daten zur Produktion genutzt werden können, entfernt. Offenbar schämt man sich ein bisschen – erläutert wird das nirgendwo.

Brisant wird das im Zusammenspiel mit dem kürzlich erfolgten Erscheinen des „Next Generation Publishing“-Guides von CleverPrinting – denn dort wird vehement gefordert, endlich alte Zöpfe anzuschneiden und sich mit den aktuellen Möglichkeiten von Programmen und Ausgabekanälen auseinanderzusetzen; sprich: medienneutral zu produzieren.

Cover von NGP und Xready2
Clash of Cultures. Winner: NGP

Wer hat Recht? Ganz klar: CleverPrinting.

Und damit bin ich wieder beim Auto: noch vor dreißig Jahren konnte ein mäßig begabter Kfz-Mechaniker ein Auto warten – rundum. Heute gibt es im Kfz-Bereich Spezialisten für die unterschiedlichen Module eines Fahrzeugs. Zum Glück ist das so; denn wer möchte schon gerne seine Bremsen von einem Navispezialisten gewartet bekommen?

Print muss endlich begreifen, dass die Erzeuger von Daten heute vielfältige Kanäle beliefern müssen, von denen „Drucken“ nur einer von vielen ist. Dass Drucken heute ebenfalls mehr Wissen, mehr Spezialisierung erfordert als vor 30 Jahren.

Ja, das Thema ist komplex. Die Datenerzeuger haben reagiert, mussten reagieren – hier gibt es heute Spezialisten für Verpackung, Akzidenz, Online, Apps, Bild. Aber in Druckereien glaubt man weiterhin, dass sich die Kunden gefälligst darauf einzurichten haben, wie man perfekte Daten anzuliefern hat.

Noch einmal zur Erinnerung: Kunden, die das können, sind auch in der Lage, zwei Dutzend verschiedene Online-Druckereien zu beliefern. Ohne Schmerzen. Wollt ihr das? Versteht ihr, was in der Welt eurer Kunden passiert?

„Next Generation Publishing“ ist komplex, ja:

Stärkenvergleich NGP und PDFXready2
Dickes Ding. Komplex. Zukunft.

Der Versuch, einen Weg daran vorbei zu finden, führt direkt in den Konkurs. Nutzt eure Möglichkeiten – euer Vorstufen-Workflow kann’s. Schaut mal rein!

Ich finde es ziemlich klasse, dass mein Auto weiß, wie viele Minuten ich noch vom Ziel entfernt bin. Das wusste es 1982 nicht. Drucken Sie heute noch wie 1982?

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5 Antworten auf „Print-Tektonik“

  1. Den RGB-Workflow hat man meiner Meinung rausgenommen, weil damit keine 100%ige Farbtreue gibt. Da die CMS-Render-Einstellungen mit dem PDF nicht mitgegeben werden.
    Und auch meiner Erfahrung nach, der RGB-PDF-Workflow wird nicht oft verwendet. und wenn das gehört viel Expertise dazu. Damit es funktionert.
    Den Clever-Printing-Guide hab ich selbst noch nicht in den Händen gehabt. Aber dort werden halt auch viel mehr Medienkanäle besprochen, pdf-x-ready kümmert sich nur um die Offset-Ausgabe.
    Beides hat seine Berechtigung.

  2. Klar hat beides seine Berechtigung. Mich stört, dass es nicht erläutert wird. Erst wird eine technische Vision integriert – was gut ist; und dann fliegt sie kommentarlos wieder raus – was schlecht ist.

  3. Clever Printing sagt auf Seite 11 (Next Generation Publishing“).

    „Sie arbeiten in InDesign zunächst mit RGB-Bildern, diese werden erst beim Export in CMYK konvertiert“

    Wo ist das der Unterschied zu PDF/X4-CMYK gemäß PDFXready oder dem Fogra PSD (ProzessStandard Digitaldruck)?

    liebe Grüße
    Andreas Kraushaar

    1. Hallo Herr Kraushaar,

      keiner, darum kämpfe ich ja so sehr mit diesem Prozess. Es wäre besser, wenn die unberührte, höchste Bildqualität erst für die bedruckstoffbezogene, maschinengebundene Druckplatte nach CMYK umgesetzt und gerastert werden würde.

      Ich habe verstanden, dass das aktuell nicht funktioniert – aber genau diese Thematik müsste, aus meiner Sicht, mit hoher Priorität angegangen werden um Print für eine junge Generation von Designern wieder attraktiv zu machen.

      Gerne nutze ich an dieser Stelle die Gelegenheit und danke Ihnen für Ihren intensiven Einsatz im Print-Umfeld!

      Beste Grüße,
      Jason Harder

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