Erfahrungsbericht ColorMunki Design von X-Rite

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Kürzlich hat Eizo mich gezwungen, mir über die Kalibrierung meines Monitors Gedanken zu machen. Ich besitze einen Eizo CE240W, den ich mir vor einigen Jahren im Bundle mit einem einfachen Kalibriergerät kaufte, um halbwegs zuverlässig – ohne professionellen Anspruch – auf druckfähige Farben zu schauen.

Da ich hauptsächlich den internen Bildschirm des Laptops nutze, hat der Monitor nur wenige Betriebsstunden und ließ sich – bis zur Einführung von MacOS X.7 – problemlos über die Eizo-Software kalibrieren. Mit X.7 findet Eizo leider, dass mein Monitor zu alt ist; die aktuelle, unter X.7 lauffähige, Version der Software unterstützt meinen Bildschirm nicht mehr. Und die alte kann die Kalibrierung nicht mehr hinterlegen; es kommt zu einer Fehlermeldung.

Also habe ich mich auf die Suche nach Alternativen gemacht. Dabei bin ich über die ColorMunkis aus dem Hause X-Rite gestolpert. Für meinen Geschmack (und den aufgerufenen Preis) habe ich etwas zu wenig belastbare Information dazu gefunden. Da mir das Gesamtpaket aber gut gefallen hat, habe ich die Ausgabe trotzdem gewagt. Denn man bekommt einiges geboten:

  • Monitorkalibrierung
  • Druckerkalibrierung
  • Beamerkalibrierung (ungetestet)
  • Umgebungslichtmessung
  • Erfassen und Bewerten von Farbvorlagen
  • Gegenüberstellung der Messwerte mit Pantone-Fächern
  • Umfangreiches Farbpaletten-Handling

Ich muss betonen, dass mein Anspruch an die Lösung nicht professioneller Art ist: ich will keine echte Farbverbindlichkeit, ich möchte keine Fogra-Keile ausgeben und messen.

Was ich möchte, ist auf meinem Standard-Equipment eine brauchbare Annäherung an eine Farbwiedergabe haben, die zuverlässig druckfähig ist. Und hier liefert die Lösung ein wunderschönes Paket. Nicht zu vergessen: das Messgerät ist ein Spektralphotometer!

Das Messgerät selbst ist etwas klobiger als ich erwartet hatte, macht aber mechanisch einen guten, wenn auch nicht perfekten, Eindruck. In einigen Beschreibungen wurde bemängelt, dass der Verstellmechanismus für die Messmethode schwergängig sei. Ich kann das nur darauf zurückführen, dass diese Personen wohl eher grobmotorisch veranlagt sein müssen: wenn man „raus“ hat, wie das Gerät anzufassen ist, klappt das wunderbar leichtgängig … ohne klapprig zu sein.

Die Software läuft störungsfrei unter X.7 – obwohl sie aus dem Jahr 2009 stammt. Aus dem Kernpaket heraus werden sämtliche Funktionen aufgerufen:

All-in-one … mit etwas Eingewöhnung klappt's

Links oben finden sich die Pantone-Bibliotheken, über die man spielerisch und auf Basis aktueller Lab-Werte Farbpaletten zusammenstellen kann. Dazu lässt sich eine gegenüberstellende Simulation eines Ausgabeprozesses aktivieren. Im Screenshot wird Pantone+ U einer CMYK Uncoated Ausgabe gegenübergestellt (wird links unten eingestellt). Aus diesem Grund sind die Farbfelder diagonal geteilt und zeigen, wie groß die Abweichung bei der 4-farbigen Ausgabe sein wird. Rechts oben werden die Lab-, sRGB- und CMYK-Werte der ausgewählten Farbe angezeigt. Darunter liefert die Software Näherungen anderer Pantone-Farben – eine unglaublich praktische Funktion. Weiterhin werden dazu passende Komplementärtone angezeigt. Sehr schön!

Über den Bereich mittig links der Farbfelder werden die „eigentlichen“ Funktionen der Software angesteuert. Die Kalibrierung des Bildschirms läuft gewohnt einfach und flott ab. Ob das erzeugte Profil korrekt in den Bildschirmeinstellungen hinterlegt wurde, sollte man im eigenen Interesse prüfen. Bei mir war das gegeben. Im nächsten Schritt habe ich meinen Canon-Multifunktionsdrucker „kalibriert“. Dazu leitet die Software schön durch den Prozess und berücksichtigt auch Trockenzeiten des Substrats. Es werden schrittweise zwei Targets ausgegeben und gemessen – letzteres funktioniert auch ohne Lineal wunderbar. Hält man sich an die zeitlichen Vorgaben, dauert es etwa eine halbe Stunde, bis man ein Profil für seinen Drucker erzeugt hat. Ich habe das zweimal durchgeführt; einmal für meinen „Quick and Dirty“-Ausgabeweg auf Normalpapier und zweitens für ein sehr hochwertiges, doppelseitig bedruckbares Mattfotopapier. Mein Ergebnis:

In wenigen Minuten hatte ich eine realistische Bildschirmdarstellung und zwei Druckerprofile, die jeweils zu einer sehr stimmigen Druckausgabe geführt haben. Hier ist es wichtig darauf zu achten, dass die Druckereinstellungen bei der Kalibrierung natürlich auch für die Ausgabe korrekt hinterlegt sein müssen. Am einfachsten macht man das, indem man sich direkt bei der Kalibrierung ein entsprechendes Ausgabesetting anlegt. Im Druckdialog von Photoshop, InDesign etc. wird dann dann das erzeugte Profil zur Ausgabe angewählt. Das soll die Software ebenfalls selbständig tun – das kann meines Erachtens aber nicht wirklich klappen; und hat es bei mir auch nicht.

Aber meine derzeitige Lieblingsfunktion ist das Messen einer beliebigen Vorlage:

Messen … und passende Pantone-Farben sehen!

Da wir es hier mit einem Spektralphotometer zu tun haben, bekommt man ein schönes Werkzeug an die Hand, um – frei von äußeren Einflüssen – schnell mal eine Vorlage auszumessen und anhand ihrer Lab-Werte (rechts oben) eine Re-Digitalisierung der Farbe vorzunehmen. Ohne Herumraten zu müssen. Als nettes Gimmick erhält man auch noch zu den Messwerten passende Pantone-Farben gelistet. So muss das sein!

Fazit

X-Rite liefert ein erstaunlich leistungsfähiges Paket, das dem Anwender eine beglückend breite Palette von Anwendungsmöglichkeiten bietet. Neben der Homogenisierung von Bildschirm und Drucker bietet die mitgelieferte Software wundervolle Informations- und Spielmöglichkeiten, die man anderswo nicht findet. Und alles bleibt einfach bedienbar.

Nochmals die Warnung zum Schluss: ColorMunki Design ist keine Lösung für professionelles Farbmanagement! Dennoch ist das Paket jeden Euro wert. Für Anwender wie mich und Einsatzzwecke wie in meinem Farbmanagement-Tutorial beschrieben ist das quasi die ideale Lösung: Weltklasse.

Und ganz am Rande sei bemerkt, dass ich hier verstanden habe, warum X-Rite Pantone übernommen hat. Hier wurde aus beiden Welten (Farbe & Messen) heraus ein umwerfend praktisches Produkt konzipiert und geliefert. Möge X-Rite fleißig daran verdienen. Dankeschön!

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