Tutorial: Farbe in Print und Internet angleichen

Farbwerte finden und festschreiben

Wenn Sie konsequent darauf achten, Ihre Gestaltung wie beschrieben unter Verwendung von Farbmanagement nach sRGB aufzubauen, kommen Sie in die komfortable Situation, dass Sie sich künftig nicht mehr krampfhaft erinnern müssen, wie das „beim letzten Mal“ gemacht haben, um den gewünschten Farbton hinzubekommen.

Sobald Sie sich mit Ihren Settings eingerichtet und sich daran gewöhnt haben, erzeugen Sie fortan eine farbgemanagete PDF/X-Datei (also mit eingebetteten Profil) aus Ihrem Layoutdokument und öffnen diese PDF wiederum als (CMYK-)Dokument in Photoshop:

Kontrollieren Sie, ob das umgesetzte CMYK-Dokument auch tatsächlich das beabsichtigte ICC-Profil anhängen hat! Wenn Sie anschließend in Photoshop nach RGB konvertieren, sollten Sie korrekterweise sRGB als Dokumentprofil sehen. Damit haben Sie einen belastbaren, wiederholbaren Weg, um stets identische Farbwerte zu erzeugen.

Die Farbwerte, die Sie an diesem von CMYK nach RGB konvertierten Dokument abnehmen, können Sie festschreiben und entsprechend auch in Ihren CSS-Referenzen für Internetseiten hinterlegen. Dann ist künftig Rot auf Ihrer Website auch nur genau ein ganz bestimmtes RGB-Rot – in den StyleSheets ebenso wie in Bildern, Grafiken und Logos. Sie wissen, wie es erzeugt wurde – und wie Sie es gegebenenfalls erneut erzeugen können.

Notieren Sie die RGB-Werte und den Hexadezimal-Wert; dann sind Sie gut ausgestattet und haben eine schnelle Referenz für die künftige Arbeit!

Sollten Sie für Ihr Referenz-Druckprodukt ein spezielles Material eingesetzt haben, das sich über den beschriebenen Weg nicht treffend nach RGB übersetzen lässt, müssen Sie manuell tätig werden. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, über eine Messung des Materials selbst ein passendes Profil zu erzeugen; aber da sind wir wieder im „Profi“-Bereich unterwegs. An dieser Stelle sollten Sie sich darauf besinnen, was Ihre Kunden von Ihnen wollen: kompetenten Rat. Und an dieser Stelle bedeutet das: eine nach Ihrem Ermessen korrekte und stimmige Umsetzung.

Noch ein Exkurs: Akzentfarben

Soll es farblich richtig knallen, muss die „Standardwelt“ verlassen werden. Das besonders rote Rot gibt es im Offsetdruck nur mit Sonderfarben. Und da geht dann auch noch was, was wiederum in RGB nicht geht: Metallicfarben. Wenn Sie die für RGB umsetzen müssen, werden Sie sicherlich Demut lernen – und sich daran erinnern, worum es in diesem Beitrag eigentlich geht: das Ziel ist nicht die perfekte Umsetzung; sondern eine stimmige Darstellung – die sich bei Metallicfarben meist nur über Simulation eines „Betrachtungswinkels“ einstellen kann, bei der die Reflexe des Originals nachgebildet werden.

Wichtig ist also stets der bewusste Umgang mit den Beschränkungen der Farbräume. Wenn es richtig Rot sein muss; dann liefert Ihnen ein RGB-Rot mit 255|0|0 etwas, was im Offset mit CMYK nicht darstellbar ist. Aber mit einer Sonderfarbe! Ist die Sonderfarbe im Druck zu teuer, sollten Sie das Rot im Web reduzieren, wenn der identische Farbeindruck wichtig ist. Ein RGB 240|0|0 ist deutlich näher am Offset-Rot 100|100. Und wenn Sie interessehalber das CMYK-Rot 100|100 über ICC-Profile nach RGB ziehen, werden Sie einen deutlich unreineren RGB-Ton erhalten, in dem auch Grün und Blau enthalten ist. Für Fotos ist das meist nicht weiter relevant; aber sehr wohl für Gestaltungs­elemente und Logos! Daher sollten Sie es unter normalen Umständen vermeiden, Logos und Grafiken ein Farbprofil anzuhängen. Denn dort möchte man im Endprodukt möglichst reine Töne finden. Auch hier kann der Einsatz von Sonderfarben als Ausweg aus produktiven Nöten sehr hilfreich sein.

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4 Antworten auf „Tutorial: Farbe in Print und Internet angleichen“

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